Eine dicke Überraschung gab es am späten Samstagnachmittag, als nach der Schlusssirene des vierten Viertels der Sieg gegen den Tabellenführer der Low-Staffel, den VfL Stade, perfekt war. Nach einem echten Herzschlagfinale gewann Team Ostfriesland mit 57:54.
Der VfL musste heute auf zwei Leistungsträger verzichten, was andere Vorzeichen bot als noch im Hinspiel vor gut einem Monat. Damals wurde das Spiel von zwei Stadener Topspielern dominiert und ging aus Sicht der Ostfriesen deutlich verloren.
Team Ostfriesland kam sehr gut aus der Kabine. Im ersten Viertel führten ansehnliche Spielzüge zu einer 11:10-Führung nach zehn Minuten. Einige kleine Flüchtigkeitsfehler im eigenen Angriff verhinderten allerdings, dass die Führung deutlicher ausfiel. Leon Wolters war in dieser Phase der auffälligste Akteur – mit exzellenter Verteidigung und einigen einfachen Punkten nach selbst eingeleiteten Aktionen.
Zu Beginn des zweiten Viertels sah es kurz so aus, als würde der Favorit aus Stade die Kontrolle übernehmen. Nach starken Drives zum Korb gingen die Gäste mit 11:15 in Führung.
Was dann folgte, waren wohl die offensiv stärksten acht Minuten der letzten Wochen. Durch weiterhin aggressive Full-Court-Verteidigung konnten die Ostfriesen viele Stops generieren und ihr gewohnt schnelles Spiel aufziehen. Angeführt von einem überragenden Thees Bieder, der mit starken Drives und einem Dreier 13 Punkte allein in diesem Viertel erzielte, holte sich Team Ostfriesland die Führung zurück.
Auch Fynn-Luca Smidt wurde immer präsenter: Er punktete zweimal nach starken Drives zum Korb und fand anschließend immer wieder die richtigen Pässe aus seinen Attacken heraus. Diese führten zu freien Würfen für seine Mitspieler – unter anderem für den ebenfalls sehr starken Arik Detmers, der im zweiten Viertel wichtige fünf Punkte erzielte.
So ging Team Ostfriesland mit einer starken 37:25-Führung in die Halbzeit.
Allen war klar: Das war bisher sehr gut, aber gegen diesen Gegner durfte man auf keinen Fall unkonzentriert werden.
Die jungen Stadener kämpften sich im dritten Viertel zurück und fanden nun häufiger Lösungen gegen die gute Verteidigung der Ostfriesen. Vor allem Tedd Miruru, der in der zweiten Halbzeit 11 Punkte erzielte, stellte die Defense mit seinen Drives vor große Probleme. Stade verkürzte bis zum Ende des Viertels auf 46:41. Dank weiterhin guter Ballbewegung im gesamten Team und starken Attacken zum Korb – vor allem vom immer stärker werdenden Eliah Straub – behielt Team Ostfriesland zunächst die Kontrolle.
Doch wie schnell ein Vorsprung im vierten Viertel schmelzen kann, wussten die Ostfriesen nur zu gut. In den vergangenen Wochen waren sie selbst oft das Team gewesen, das im Schlussabschnitt zu Aufholjagden ansetzte.
Zunächst hatte Team Ostfriesland das Spiel dank weiterhin starker Verteidigung, verbessertem Reboundverhalten und wichtigen Punkten am Brett durch Center Domenik Salmaier noch im Griff. In den letzten Minuten zeigte sich jedoch auch die noch vorhandene Unerfahrenheit in dieser Liga. Die steigende Physis und der mentale Druck führten zu ungewohnten Fehlern im Aufbauspiel und einigen überhasteten Abschlüssen. Stade nutzte dies und glich zwischenzeitlich zum 54:54 aus.
Doch gerade in dieser Situation zeigte sich die enorme Entwicklung des Teams. Trainer Riethmüller lobte nach dem Spiel:
„Zu Beginn des Jahres wäre die Mannschaft nach so einer Situation wahrscheinlich eingebrochen. Heute haben wir genau richtig reagiert.“
Wie schon im Overtime-Krimi in der Woche zuvor fand sich das Team wieder, spielte zwei exzellente Defense-Possessions und ließ beim defensiven Rebound nichts mehr zu. Domenik Salmaier und Eliah Straub behielten anschließend nach Fouls die Nerven und verwandelten die entscheidenden drei Freiwürfe.
Der letzte Wurf der Stadener zur möglichen Verlängerung verfehlte sein Ziel – danach war der Jubel bei Spielern und Trainern riesig.
Trainer Riethmüller fasste zusammen:
„Eine sehr schöne Leistung der gesamten Mannschaft. Jeder kann stolz auf sich sein – sowohl auf die heutige Performance als auch auf die Entwicklung der letzten Wochen. Jeder Spieler macht seinen Job, egal ob er 20, 10 oder nur 2 Punkte erzielt. Alle verteidigen auf hohem Niveau und unterstützen sich gegenseitig.“
Für Team Ostfriesland spielten:
Leon Wolters (6), Tilman Hanken, Fynn-Luca Smidt (4), Jan de Boer (1), Mats Bruns, Eliah Straub (9), Thees Bieder (20/2 Dreier), Arik Detmers (5/1 Dreier), Immo Manßen (2), Bent Plück (3), Domenik Salmaier (7)

